Dinge programmieren statt zeichnen

OpenSCAD baut 3D-Modelle aus Code. Du beschreibst als Text, welche Form entstehen soll — OpenSCAD rechnet sie aus und zeigt sie an. In diesem Kurs bauen wir damit Schritt für Schritt eine echte, druckbare Visitenkarten-Box.

In OpenSCAD klickst du nichts zusammen — du schreibst, was entstehen soll. Ungewohnt, aber genau deshalb lässt sich am Ende alles per Zahl anpassen: andere Kartengröße? Eine Zeile ändern, fertig.

Dein erster Körper

Ein Würfel ist das „Hallo Welt" von OpenSCAD. Eine Zeile, ein Strichpunkt am Ende — das ist schon ein vollständiges Programm:

SCADwuerfel.scad
cube(30);

cube(30) — 30 mm in jede Richtung

cube(30) erzeugt einen Würfel mit 30 mm Kantenlänge. Die Einheit ist immer Millimeter — praktisch, denn so denkt auch dein 3D-Drucker. Drück in OpenSCAD F5, und die Vorschau erscheint.

Warum eigentlich?Warum Code statt Maus?

Drei Gründe: parametrisch — eine Variable ändern passt das ganze Modell an. Reproduzierbar — derselbe Code ergibt immer dasselbe Teil. Versionierbar — der Code ist Text, also kannst du ihn wie jeden anderen Code in git versionieren und Änderungen nachvollziehen. Eine gezeichnete STL kann das alles nicht.

Häufiger DenkfehlerTypische Stolpersteine am Anfang

Strichpunkt vergessen: Jede Anweisung endet mit ;. Fehlt er, meckert OpenSCAD. Nichts sichtbar? F5 macht die schnelle Vorschau, F6 das finale (langsamere) Render. In Maus-Operationen denken: Es gibt kein „Eckpunkt ziehen". Du beschreibst Formen und verrechnest sie miteinander — das ist der Denkschritt, der am Anfang am meisten umgewöhnt.

Tiefer reinWas OpenSCAD im Hintergrund macht (CSG)

OpenSCAD arbeitet mit Constructive Solid Geometry: Es nimmt einfache Grundkörper (Würfel, Zylinder, Kugel) und kombiniert sie mit Mengen-Operationen — vereinigen, abziehen, schneiden. Komplexe Teile sind also nur clever verrechnete einfache Körper. Genau diesen Weg gehen wir bei der Box: erst ein Block, dann höhlen wir ihn aus.